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  1. Großer Respekt vor diesem selbstkritischen Eingeständnis! Finde ich sehr beeindruckend.

    Abgesehen davon kam mir beim Lesen noch ein anderer Gedanke. Wie wäre es, neben aller (sachlich ja berechtigten und notwendigen) Medienschelte in der Causa Wulff auch mal mit etwas selbstkritischer Nachdenklichkeit, wie wir konservativen Katholiken über diesen Menschen und Bundespräsidenten gedacht und geredet haben?! Auch da war vieles nicht in Ordnung. Was in etlichen katholischen Blogs im Zusammenhang mit dem Papstbesuch 2011 und Wulffs Begrüßungsworten über den Bundespräsidenten, v.a. aber den Menschen Christian Wulff und dessen persönliche Lebenssituation gesagt bzw. geschimpft worden ist, war teilweise unterste Schublade. Das liess nicht nur jeden Respekt vor seinem Amt vermissen, sondern ging die Person, den Menschen frontal und elementar an. Insofern noch viel gravierender als alle kleinen Korruptiönchen, welche “Bild” und andere Presseerzeugnisse aufgedeckt haben wollten. Ich habe mich seinerzeit fast geschämt, katholisch zu sein.

    Ist jetzt alles Vergangenheit und nicht mehr zu ändern. Kam mir aber beimm Lesen dieses bemerkenswerten Blogs in den Sinn.

  2. Athen. 405 v. Chr.
    Ganz aufgeregt kommt einer zum weisen Sokrates gelaufen.
    „Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen: Stell dir vor, dein Freund…“
    „Halt ein!“, unterbricht ihn der Weise. „Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“
    „Drei Siebe?“, fragt der andere voll Verwunderung. „Welche drei Siebe?“
    „Ja, drei Siebe. Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“

    „Nein, aber ich denke mir… Ich hörte es auf dem Markt und…“

    „So, so. Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft; das ist die Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn schon nicht wahr, ist’s so doch wenigstens gut für mich? Werde ich mich daran erfreuen?“

    „Nein, das nicht, eher im Gegenteil…“

    Der Weise schaut ihn an: „Lass’ uns auch das dritte Sieb noch anwenden, die Notwendigkeit. Ist es notwendig, dass ich das, was dich so erregt, weiß? Brauche ich es um mein Leben sinnvoll zu gestalten?“

    „Notwendig nun gerade nicht…“

    „Also“, sagt Sokrates, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, warum willst du es mir dann erzählen? Lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.”

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