„Viel Spaß in der Fastenzeit“

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„Macht beim Fasten kein trübseliges Gesicht“ fordert uns Jesus auf. Dabei sind die Zeiten schon ohne Fastenzeit wenig lustig. Und da soll ich beim Fasten auch noch Spaß haben? Die Antwort: Ja genau!

Symbolbild: Fastenzeit
Photo by Ahna Ziegler on Unsplash

Bei der Aschermittwochsmesse, die ich gestern besuchen durfte, beendete der Priester seine Predigt mit den Worten: „Dann viel Spaß in der Fastenzeit“ – wenn der die Predigt so begonnen hätte, dann wäre die Verwirrung wahrscheinlich komplett gewesen und so hätte er das als Stilmittel einsetzen können. Zum Ende der Predigt war aber klar, was er meinte … und Spaß in der Fastenzeit ist eine realistische, ja eine wirklich gute Option.

Traditionell sind die „Opfer“, die wir in der Fastenzeit bringen sollen das Almosen geben (vielleicht besser übertragen mit dem Zeigen echter Nächstenliebe), Fasten (also im Verzicht, einerseits auf Mahlzeiten oder Speisen und andererseits auf Dinge, die im Leben zu wichtig geworden sind) und Gebet (also die Kommunikation, die Intensivierung der Beziehung zu Gott). Alles Dinge, die in der Welt „da draußen“ nicht mit Spaß in Verbindung gebracht werden. Aber man kann darauf auch einen anderen Blick haben:

Almosen geben

Geben sei seliger denn nehmen, so heißt es, und aus christlicher Sicht wissen wird, dass das Geben glücklich machen kann. Denn wir dürfen unsere Talente, die vielleicht in Geld, vielleicht in nachbarschaftlicher Hilfe oder auch „nur“ in einem offenen Ohr bestehen, nutzen, um anderen Menschen zu helfen. Und diese Hilfe ist etwas, dass uns dann auch selbst glücklich macht. „Opfer“ in diesem Sinne, sind beispielsweise auch in den Seligpreisungen Jesu enthalten.

„Selig sind …“ kann man in diesem Sinne auch übersetzen mit „Glücklich sind …“ – und dieses Glück ist dann nicht ein Vertrösten auf’s Himmelreich, sondern dieses Glück kann uns schon jetzt erfassen. Anderen zu helfen, das wissen die meisten, selbst dann, wenn sie nicht explizit christlich sind, kann glücklich machen. Helfen, Opfern, Almosen geben, zur Ehre Gottes, ohne auf weltlichen Lohn oder Anerkennung aus zu sein, schafft uns dazu noch Schätze im Himmelreich. Wer wollte mit dieser Aussicht noch ein betrübtes Gesicht machen?

Fasten

Ja, Fasten heißt Verzichten. Wir verzichten auf eine Mahlzeit, auf bestimmte Speisen, manche auf Alkohol und Süßes, manche auf Fernsehen, andere auf bestimmte Arten von Konsum. Aber dieser Verzicht ist ebenfalls im Grunde ein Gewinn. Genuss – als Gegenteil von Verzicht – ist in sich ja noch nicht schlechtes: Unser Papa im Himmel macht uns Geschenke und freut sich, wenn wir uns darüber freuen und sie genießen. Aber wenn ich anfange, dem Genuss hinterherzujagen, den Geber der guten Gaben darüber vergesse und sich der Genuss damit zwischen mich und Gott drängt, dann schaden sie meiner Beziehung zu Gott.

Sind wir mal ehrlich: Wir hoffen doch auf etwas viel Besseres! Wenn der Sinn des Lebens nur aus dem Genuss weltlicher Güter bestünde, wäre es doch ein armseliger Zustand. Stattdessen kann ich meinen Blick auf Gott werfen, schon hier in dieser Welt seine Gegenwart genießen und darauf vertrauen, im Himmel alle seine Verheißungen erfüllt zu bekommen. Dagegen wird doch jeder weltliche Genuss, auch wenn das Genießen an sich nichts böses sein muss, nur ein schaler Abklatsch. Diese Art von Verzicht sollte uns nicht nur nicht schwer fallen sondern uns eher erleichtern und den Blick öffnen auf das Bessere.

Beten

Das Gebet, so meine ich, sollte in dieser Liste eher ein Selbstgänger sein. Ein Christ betet, weil er ein Freund Gottes ist, und wie eine Freundschaft leidet, wenn man nicht kommuniziert, so leidet mein Verhältnis zu Gott, wenn ich nicht bete. Und das nicht, weil er sich von mir zurückzöge, aber weil er akzeptiert, wenn ich nicht mit ihm reden will. Mir selbst aber ist das Gebet wichtig, und wie es auch zwischen menschlichen Freunden Zeiten gibt, in denen man diese Beziehung ganz besonders wertschätzt, so sollte die österliche Bußzeit eine Zeit sein, in der ich mich besonders mit Jesus unterhalte – mir klar werde, wie sehr mich der Vater im Himmel liebt, dass er seinen einzigen Sohn hingegeben hat.

Beim Blick auf’s Kreuz, bei den Betrachtungen eines Kreuzweges kann und sollte ich mich durchaus auch über meine Sünden klar werden. Ich darf das Kreuz, das Jesus auf sich genommen hat, aber auch als Geschenk sehen und als solches annehmen. Ein größeres Geschenk kann ich nicht bekommen – und wenn ich in der Fastenzeit ganz besonders das Gebet pflege, um mir dessen bewusst zu werden, so kann ich mich über dieses Geschenk umso mehr freuen.

Viel Spaß in der Fastenzeit!

So gesehen, ist es nicht nur nicht notwendig, seine Almosen, Fasten und Gebete vor sich her zu tragen – was sollte ich denn davon haben, dass mich andere dabei sehen, was nicht unendlich durch die Geschenke Gottes übertroffen wird (abgesehen davon, dass Jesus auch davon abrät, weil es die falschen Beweggründe fördert und die Freude raubt) – vor allem sind Almosen, Fasten und Gebet eine Quelle der Freude.

Natürlich fällt es bisweilen schwer, sich zur Hilfe aufzuraffen, die Hand aus der Chipstüte oder von der Fernbedienung zu lassen und sich eine intensive Zeit zum Gebet zu nehmen – das ist nur allzu menschlich (wobei es der, der uns in diesem Schwerfallen bestärkt es nicht ist). Aber das heißt nicht, dass wir in diesen Opfern nicht auch unser Glück finden können. Und das nicht erst im Himmel, sondern schon jetzt, in den jetzt angebrochenen Tagen der Fastenzeit – mit einem großen Finale der Freude zu Ostern und später beim Vater im Himmel.

Also, ich kann das nur bekräftigen: Viel Spaß in der Fastenzeit!

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