2 Comments

  1. Gerd

    “Die Christen haben die Pflicht, es ausnahmslos zu verkünden”

    Da wird schwierig, wenn es wie heutzutage üblich, eine ziemliche Verwirrung darüber herrscht, was ein Christ ausnahmslos verkünden soll. Der Vorsitzenden unseres Pfarrgemeinderates verkündigt einen lieben Jesus, der ganz sicher nicht die AFD wählen würde und auf keiner Pegida-Demonstration zu finden wäre. Unsere Pastoralreferentin will sich für die “Sache Jesu” starkt machen und antwortet auf die Frage was denn die Sache Jesu ausmacht, dass Jesus alle Menschen gleich geliebt hätte und wir doch seinem Beispiel zu folgen haben.
    Auch ich habe eine Begegnung mit dem Herrn gehabt, gerade eben noch in der Messe, allerdings ist die Sehnsucht nach einer Bekehrung für meine Mitmenschen nicht so ausgeprägt, wie bei den Verfassern des Manifestes. Das mag daran liegen, dass ich mit meiner eigenen Bekehrung nie fertig werde, (ist ja auch harte Arbeit an sich selber) aber auch weil ich die Voraussetzungen für eine Mission, so wie ich sie verstehe, in unserer Gesellschaft gar nicht vorfinde. Wenn ich in meiner eigenen Familie (sozusagen das erste Missionsgebiet) eine Rundschau halte, stelle ich fest, dass eine Bekehrung zu Jesus gar nicht erwünscht ist. Es interessiert z.B. meinen Schwager nicht, was Gott in seinem Leben wirken könnte. Geschweige denn was er in meinem Leben gewirkt hat. Das ist höchstens noch eine persönliche Schwärmerei meinerseits, über die er selber längst hinweg gekommen ist. Liegt es da nicht nahe, den Staub von den Füßen zu schütteln und da weiter zu machen, wo die Bereitschaft zur Umkehr vorhanden ist? Zumal dies eine Empfehlung des Herrn an seine Jünger ist?

  2. Ein wichtiges Wort: zeitgemäß. Denn unseren Glauben sollen wir sowieso leben, sonst haben wir keinen, und ihn verkündigen ebenfalls, aber nicht wie der Pfarrer. Wir sollten unseren Glauben so leben, aber immer zeitgemäß leben. Und darüber soll es immer gehen. Zeitgemäß bedeutet: in der heutigen Kultur, also in der Moderne. Diese Kultur hat seit dem 18. Jahrhundert im Westen mehr und mehr die christliche Weltanschauung verdrängt. Die christliche Weltanschauung ist auf den Glauben an einen Gott-in-der-Höhe aufgebaut, einen Theos, das griechische Wort für Gott, der sich von dort mit dem Kosmos und ganz besonders mit der Menschheit beschäftigt, Darum ist es im Grunde unwichtig ob man fromm einen Gott-in-der-Höhe bekennt und verehrt oder ein bekennender Atheist ist. Was Paulus im Galaterbrief (5,6) beschreibt, gilt auch hier. Es zählt nur ob man von der uns innewohnenden Urliebe Gott sich bewegen lässt. Und darüber sollten wir sprechen. Und nur sie wird den eschatologischen Traum von Paulus wahr machen, dass die Urliebe Gott einmal alles in allem sein wird.

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